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Extrication-Team des DMSB unterstützt Forschungsprojekt

Ein Extrication-Team des DMSB hat in Frankfurt am Main bei einem aufwändigen Studien- und Messtag wertvolle Hilfe bei der Sammlung wichtiger Forschungsdaten geleistet. Das vierköpfige Team unter Leitung von Thorsten Halfenberg, der beim DMSB die Einsätze der Extrication Teams von Nürburgring, Hockenheimring und Estering koordiniert, war direkt vom VLN-Lauf am Nürburgring in die Main-Metropole gefahren. Beim Studientag hatten er und seine Kollegen mehrfach sowohl Rettungen aus einem eigens dafür nach Frankfurt gebrachten Mitsubishi-Rallyeauto als auch aus einer originalgetreuen Sitzkiste eines Formel-1-Autos simuliert.
Die Messdaten der Arbeit der professionellen Rettungskräfte aus dem Motorsport sollen dem Forschungsteam um Dr. Dr. Michael Kreinest, der den Studientag organisiert hatte, Vergleiche zur Arbeit von ungeschulten und normal ausgebildeten Helfern ermöglichen. Kreinest, der für die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik in Ludwigshafen tätig ist, kennt die hochqualifizierte Arbeit der Extrication Teams des DMSB von seinen eigenen Einsätzen als Rennarzt am Nürburgring und am Hockenheimring. „Im Motorsport genießt der Schutz der Wirbelsäule einen hohen Stellenwert und ist sehr hoch angesiedelt“, sagt Kreinest. Aus diesem Bereich könnten auch Schlüsse auf die tägliche Rettungsarbeit gezogen werden.


Die Extrication Teams des DMSB bestehen je nach Veranstaltung aus vier bis sechs Personen, wovon ein Mitglied in der Regel Arzt ist. Alle anderen Helfer haben mindestens eine medizinische Ausbildung als Rettungssanitäter. Der Team-Pool am Nürburgring, wo an 50 bis 60 Einsatztagen im Jahr die meisten Veranstaltungen betreut werden, besteht aus 12 bis 15 Personen. Neben den Einsätzen bei Rennen stehen einmal pro Jahr eine umfangreiche Schulung sowie mehrfach Trainingstage auf dem Programm.


Insgesamt hatte Kreinest 42 Teilnehmer für sein bislang einmaliges Projekt zusammengerufen, die in rund 15 Stunden Einsatz unzählige Daten sammelten. Beteiligt waren neben dem Extrication Team Mitarbeiter der Berufsgenossenschaftlichen Unfallkliniken Ludwigshafen und Frankfurt am Main, der Berufsfeuerwehr Frankfurt am Main und des in Frankfurt stationierten Rettungshubschraubers Christoph 2 sowie Messtechniker aus der Berliner Charité und Mitarbeiter von Rettungsdiensten aus ganz Süddeutschland. Die Veranstaltung fand in den Räumlichkeiten des Feuerwehr & RettungsTrainingsCenters (FRTC) der Frankfurter Berufsfeuerwehr im Auftrag der „PHTLS Research Group“ statt. PHTLS steht für „Prehospital Trauma Life Support“, das weltweit verbreitete Konzept zur präklinischen Versorgung schwerverletzter Patienten.
In unzähligen Versuchen und mit aufwändigen Messverfahren wurden von 7 Uhr morgens bis 22 Uhr abends tagtäglich im Rettungsdienst angewendete Abläufe und eingesetzte Hilfsmittel im praktischen Einsatz bei inszenierten Unfallszenarien getestet, die mit den gesammelten Daten gegebenenfalls auch in Frage gestellt werden. Das Ziel ist, die Versorgung von Patienten so effektiv und schonend wie möglich zu gestalten. Dabei wurde unter der Organisation von Dr. Dr. Kreinest erstmals ein solch immenser finanzieller und personeller Aufwand betrieben.


„Rettungsdienst ist Teamwork und funktioniert nur, wenn er gemeinsam entwickelt und verfeinert wird“, sagt Dr. Uwe Schweigkofler, der als ärztlicher Leiter des Rettungshubschraubers und Vorsitzender des Fördervereins Christoph 2, Feuerwehrarzt der Berufsfeuerwehr und Leiter des Notfall- und Rettungszentrums der BGU Frankfurt gleich in mehreren Funktionen den Studien- und Messtag unterstützte: „Wir suchen die wissenschaftliche Basis, um klare Vorgehensweisen zu standardisieren. Um die Prozeduren zu untermauern und das Personal zu schulen, brauchen wir Daten. Und dabei muss man so kritisch sein, dass man sich auch hinterfragt. Denn vielleicht gibt es ja neue, bessere Techniken.“
Dr. Dr. Kreinest war mit seinem Team insgesamt vier Monate mit der Planung und Vorbereitung des Tages befasst. Mit der Auswertung der gesammelten Daten werden mehrere Wissenschaftler und Doktoranden voraussichtlich nochmals ein Vierteljahr beschäftigt sein.

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